heim(at?).

© Daniel Schrödl

Während am südlichen Rand Lichtenbergs die kosmopolitischen Hipster durchfeiern, die neue schwarzgrüne Digitalbourgeoisie (z.B. Digital Natives, mit Hilfe von Business Angels und süddeutschen Eltern erfolgreich ein Start-up im Bereich IT, App usw. gegründet, Anteile an internationalen Investor verkauft und innerhalb von 3 Jahren stinkreich geworden) alle Wohnungen und Häuser in Wasser- und Grünflächennähe wegkauft sowie der Rest mit halbwegs soliden Einkommen und teils sogar unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen und ursprünglicher Sympathie für die Sozialdemokratie auf die nächste Mieterhöhung wartet (und diese verkraften wird), kackt am nördlichen Rand (Alt-) Lichtenbergs alles ab:

Vergammelnde abrissreife Gewerbegebietsimmobilien werden zu (dauerhaften) Flüchtlingslagern umgewidmet, daneben ein Obdachlosenheim, dahinter vergessene Platte für den nicht mehr arbeitsmarktintegrierbaren und digitalisierbaren Hartz-4-Rest der Gesellschaft (mit Deutschlandfahne auf dem Balkon und das Leben in Lidl-Plastiktüten verpackt). Sicherheitsdienste laufen Streife. Auf einigen dreiundhalbbeinigen Plastikstühlen dämmern Senioren vor sich hin. Und im Zwanzigsekundentakt donnern Lastwagen der benachbarten, lärmenden Bau- und Metallbetriebe vorbei.

All diese Welten gehen sich aus dem Weg, kennen sich nicht, verstehen sich nicht und prallen hin und wieder in symbolischen Schaukämpfen teils gewalttätig teils tief erschütternd aufeinander.

Ich bin verstört. 

 

16 thoughts on “heim(at?).

  1. was machst du dort? lebst du da? es liest sich sehr erschütternd. trostlos. vergessen irgendwie. danke für text und bilder. und, trotz allem, ein angenehmes wochenende für dich und deine family.

  2. ja irgendwie krass wie alles so läuft. vor sich hin läuft. aneinander vorbei läuft. hilft nicht, den ganzen tag trübsal zu blasen, aber so ganz wegschauen will ich nicht…

  3. ja ich lebe in berlin lichtenberg. nichts besonderes. alles läuft so vor sich hin. meistens fällt es nicht auf. man ist ja meist mit sich selbst beschäftigt. in der eigenen blase. aber irgendwie kommt mir es so vor, als liefe da was gewaltig schief. und zwar grundsätzlich. das beschäftigt mich. da kann ich nicht wegsehen. aber einfache erklärungen und lösungen (wie es so manche derzeit links wie rechts verkünden) gibt es nicht.
    um mich musst du dir keine sorgen machen. meiner familie und mir geht es gut. wir genießen das leben. weil wir haben nur dieses. alle.

  4. nun. es ist wichtig, da mal rumzulaufen. wahrscheinlich fällt nicht sofort etwas auf. aber je länger und ruhiger man beobachtet, desto mehr wird klar, dass in unserer gesellschaft grundsätzlich etwas schief läuft. so schleichend. heimlich. still und leise…

  5. Hallo Daniel,
    so läuft das in Hamburg auch, statt mal ganzheitlich zu denken wird das Geld in wenigen Bezirken verpulvert…da wo auch gerne die Politiker residieren…zugleich tut man so als würde Stadtteile wie Jenfeld ,Billstedt oder Wilhelmsburg auf einem anderen Planeten liegen…so sieht es dann da auch aus…
    LG Jürgen

  6. Wilkommen in der schönen neuen Welt!

    Und trotzdem wagen sich noch Sicherheitskräfte in diese Gebiete? Laut Nachrichten aus Frankreich sind verschiedene Viertel von Paris oder Marseille für Polizei und Rettungsdienste striket No-Go Zonen.

    Sie werden mit Steinwürfen, Molotov-Cocktails und Knüppeln begrüsst und von Motorradbanden raus eskortiert.

    Aber keine Bange, das kommt auch noch in Deutschland….

  7. Joo so läuft der shit. Ich arbeite ja (noch) für die brandenburgische landesverwaltung und ergraue dabei mit meinen ansichten. das fotografieren hilft ein wenig.wenn ich noch mehr zeit geld sponsoren technik und fotografierfähigkeiten hätte, würde ich da gern noch mehr rumwühlen. Aber man muss ja erstma so über wasser bleiben ( so wie es in deinem blog erfahrbar ist) oder hin und wieder ans wasser oder auf die insel… lg Daniel

  8. Vor zwei drei wochen wurde in dieser ecke aus dem auto heraus auf passanten geschossen. Wir nähern uns scheinbar sehr zügig dem alltag französischer banlieus oder amerikanischer ghettos… aber gute nachricht: ich war am wochenende auf einem stadtteilfest und konnte sehen dass es da trotz probleme viele gute initiativen, gruppen, netzwerke und gemeinschaften gibt. Die hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt… lg Daniel

  9. Lieben Dank für diese Komplimente. Schönere kann es für einen HobbyNebenbeiFotografenKnippser nicht geben. Lg Daniel

  10. Nicht den sand in den kopf stecken. Sonden zuallererst möglichkeiten schaffen, nutzen, sichtbar machen, wo sich diese divergierenden sphären der gesellschaft treffen und kennenlernen können. Empathie ist gefragt. Fotografie kann einen Beitrag dazu leisten. Lg Daniel

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