eigentlich…

… wollte ich einen längeren text darüber schreiben, wie lebensfeindlich, steril, monoton, unlebendig von menschen geschaffene umgebungen, landschaften, lebensräume oft sind. über stadtplaner und architekten, die das kleine urbane glück der normalen menschen ermorden.

seit jahren laufe ich immer wieder an diesem – aus meiner sicht abartig – wirkenden spielplatz dieser standardisiert/normierten endlich/eigenheimsbesitzer/sein/landschaften des rezenten immoblien- und spekulationskapitalismuses in der rummelsburger bucht vorbei.

wie kann man, wie soll man hier glücklich werden? frage ich mich als autofreier mensch, der gerne alte steine umdreht, im dreck wühlt und immer auf der suche nach irgendwelchen geschichten ist.

nun. dieser spielplatz. eigentlich eine optimale projektionsfläche meines hasses auf die gesellschaftlich-ökonomisch-technologische entwicklung der gegenwart…

…aber dann, aber dann…

…bekam ich kinder. mit denen muss ich bei wind und wetter rausgehen, damit mir die decke nicht auf den kopf fällt. diese kinder sind neugierig, klettern überall herum und lassen sich niemals von irgendwelchen vorgeschichten blenden. egal ob bei sonne oder regen.

jedesmal wenn ich auch nur annnäherungsweise im entferntesten, nur irgendwie in der nähe dieses spielplatzes bin, schreien meine kinder, dass sie unbedingt dort hinwollen, hinmüssen. dorthin in diese lebensfeindliche, sterile, monotone, unlebendige welt.

dann gehen wir wieder dorthin. und sie spielen und spielen, laufen, klettern genüsslich. lachen, singen, tanzen, als wäre es ein festplatz. und erfreuen sich des lebens. immer und immer wieder.

nun stehe ich da mit meinen bedenken, meinem in die jahre gekommenen welthass und fange meine kinder an der symmetrisch im raume platzierten rutsche wieder auf. immer und immer wieder.

© Daniel Schrödl

 

16 thoughts on “eigentlich…

  1. Es ist weniger die Umgebung, die ein Leben lebenswert macht, es sind vielmehr die Menschen, die das Beste aus ihrer Umgebung machen. Ich hatte diese Erkenntnis vor vielen Jahren, als meine Mutter in einer Umgebung im Sterben lag, wo sie ursprünglich nie hinwollte, wo ich sie nie haben wollte, wo sie letztendlich “landete”, ihre letzten Wochen unter körperlichen Schmerzen litt und schließlich an einem wirklich sonnengoldenen Ort ihre wirklich letzten und total friedlichen Atemzüge tat. Sowohl sie war sicher als auch ich fühlte mich in dieser ihrer letzten Nacht wunderbar geborgen, denn es waren um sie und mich herum liebevolle Menschen, die uns beide und andere umsorgten und auch dafür sorgten, trotz fehlender Wände, dass wir ganz für uns sein konnten – und doch bei den anderen. Wir müssen wirklich umdenken, alle miteinander, was denn wirklich menschenwürdig ist und uns Freude, wirkliche Freude bereitet. Herzliche Grüße aus Wien!

  2. Ich sehe das auch so wie du aber KInder….. Kinder sehen eine Rutsche und was man damit machen kann und nichts weiter. Du siehst eine Rutsche, die symmetrisch im Raume plaziert ist und die Umgebung in der sie steht. Kinder sind herrlich! 😀

  3. Thank you Jane! I don.t like this symmetric cold oberplanned place, but my children love it… rainy greetings from berlin, daniel

  4. Liebe Silvia! Lieben Dank für deine lieben Worte, deine Offenheit und Gedanken. Ja je länger ich lebe, desto mehr spüre ich, dass es um die Menschen geht, die die Orte (erlebbar) machen. Es geht um uns und unsere Beziehung zu uns nahen Menschen. Solange das Architektur nicht völlig verhindert und ignoriert, ist sie in Ordnung. Wenn sie es unterstützt ist es gut so. Der Rest liegt an uns. Du hast ein beeindruckendes Beispiel beschrieben, wie das Leben und das Sterben vom guten Miteinander abhängen. Die Orte dafür sind manchmal überraschend und vorher unvollstellbar. Grund genug das miteinander auf unserer Reise durchs Leben immer mal wieder mal auf anderen Bühnen spielen zu reisen. Weit dafür reisen müssen wir nicht…

  5. Lieben Dank! Und komplimente für deine tollen Eindrücke der letzten Monate aus Düsseldorf und dem Rest der Welt, lg Daniel

  6. Ja die Kids sind herrlich. Mit einem Lächeln bringen sie die größte Skepsis zum Platz. Rumjammern im eigenen Schubladendenken gibts nicht. Volle Pulle Leben! Einfach.

  7. Ich bin etwas hin und hergerissen. Ich gebe dir Recht, die Kinder, die Menschen, können den Ort lebendig machen. Kinder haben immer genug Phantasie, um aus jedem noch so öden Platz etwas spannendes zu machen. Auf den Fotos kann ich dem Ort sogar eine gewisse Ästethik abgewinnen. Man kann sicherlich für sich was schönes dort finden, wenn man nur danach sucht. Ja, es liegt an uns….aaaber ich würde da gerne ein paar Blümchen, also wenigstens ein paar, also etwas Grünes….seufz…… 🙂 LG, Almuth

  8. Lieben Dank Almuth! du hast ja so recht. da muss etwas grünes wildes selbst frei wachsendes und blühendes hin! im endeffekt ists nicht gut wenn kinder nur in so einer Umgebung aufwachsen. tun sie ja gott sei dank nicht. wir wohnen da nicht direkt und fahren oft genug raus in die natur. zumindest sollten meine kinder eine Idee davon bekommen, was natur sein kann und sein könnte. alles andere würde mein herz brechen…

  9. Da bin ich froh, daß du das auch so siehst, aber ich las es ja schon aus deinen Worten wie du dazu stehst 🙂 Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, daß es Menschen gibt, die das als völlig ausreichend ansehen würden, aber ich fürchte, die gibts auch. So Ordnungsfanatiker. Schön ist, daß die Kinder aus allem was machen können, noch schöner wäre noch mehr Natur in der Stadt und eben auch sonst 🙂

  10. Egal wa um dich herum ist, wichtig ist,wa du daraus. Wächst!

    Und Kinder machen alles möglich…aus dem Karton das Segelschiff, Rennauto oder Haus….
    Lass dich darauf ein und sehe nicht mit dem verstand…sondern mit der Phantasie im Herzen!

  11. Sehr schön. Der Text musste nicht lang sein, die Überraschung ist gelungen. Ich habe auch zwei Jungs von 5 und 3, die in der monotonsten Umgebung trotzdem ihr Spiel finden, als würden sie diese gar nicht wahrnehmen.

  12. Jo. Die Kinder sind der Knaller. Immer überraschend, ergebnisoffen, kategorienbrechend. (Und natürlich regelmäßig anstrengend, so dass meine grauen haare nicht weniger werden 🙂)… lieben dank und liebe grüße, daniel

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