lost in beelitz.

beelitz hat es nun endgültig auf die touristische weltkarte geschafft. der verfall verfallender historischer klinikgebäude wurde erfolgreich gestoppt. anlagen gesichert. park- und grünflächen, lichtinstallationen, wege, infrastrukturen in mühevoller kleinarbeit angelegt. neue geshäftsmodelle entwickelt, arbeitsplätze mitten im wald geschaffen. historisch interessante, pädagogisch wertvolle spannende touren und events im (halb) stundentakt. ein familiengerechter baumwipfelschnipfelkronenpfad über den klimawandelgebeutelten wald. fernblicke ins nichts des flämings. apps und podcasts surren. alles preisgekrönt. alles sustainable. auch die besucher*innen (eher fridays for future als covidiots). im grunde fährt man jetzt nicht mehr nach berlin. sondern man fährt nach beelitz und schaut dann auch mal in berlin vorbei. aus BER wird BEE.

der perfekte lost place wurde geschaffen.

ja und so fühlte ich mich da gestern auch. ziemlich lost. insbesondere an/in den schlangen. eigentlich stand ich nur 70% der zeit in einer schlange. eintrittsschlange, toilettenschlange, turmhochgehschlange, kaffeeholschlange, auf perfekte foto gelegenheiten warte schlange, sogar müllwegschmeißschlange am mülleimer, an den kinderkletter- und balanciergerüsten abstandhaltenschlangen, eiskaufschlange, doch noch nen flammkuchenessenwollenschlange, ein flammkuchenreichtenicht also noch ne pizza essens schlange, zuletzt die regionalexpresseinsteigeschlange.

am besten fand ich das wespenbegleitete lost hipster personal der munter im wald verteilten kreuzbergischneuköllnischen street food fusion kitchen trucks. ziemlich lost vor lauter schlange. aber zugleich heroisch ruhig. die jungen leute (überdurchschnittlich oft mit dutt und moustache, tranceartige melodien vorsichhinsummend, den menschennebel kaum wahrnehmend) zelebrierten schneckenhaft das crêpebacken, belegten mühevoll stück für stück die authentic regional pizza (im hintergrund türmten sich die ja! käse-, saft- und milch-tetrapaks), um am ende laut in den forst zu rufen: “oh sorry, tschuldigung, mein german is not so gut, you ordered salami pizza, ist zwiebelflammkuchen instead gut für sie?”. ich nahm natürlich den für 7,50 euro teuer erworbenen handgroßen flammkuchen, verzehrte ihn noch an der ausgabestelle und begab mich zur nächsten schlange.

© Daniel Schrödl

sogar das vor den toilettenanhängern in großen brillen sitzende junge reinigungspersonal höheren bildungsgrades hatte irgendwas mit der authentisch-berlin-newyorkschen-barcelona-parisischen-uckermärkischen kultur- und kreativszene zu tun, und wirkte, so wie man es aus der friedrichshainischen clubszene kennt, partiell anwesend, selektiv wahrnehmend, parallel stark mediennutzend und mit realen banalen dingen (z.B. klopapier ist alle, wo gibts neues?) eher überfordert.

irgendwann wurde es mir zu viel, too lost allett, und ich fuhr wieder heim nach berlin. in meinen kiez. wo alle lost sind, aber irgendwie netter.

5 thoughts on “lost in beelitz.

  1. Vielleicht hab ich ein bisschen übertrieben und zu böse formuliert. Denn ich musste schon auch schmunzeln und hatte auch schon ein wenig meinen Spaß dabei. Aber ein bisschen merkwürdig kam mir diese toptouristdestination schon vor. Na, meine kiddies waren aber auf jeden Fall begeistert…

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