shooting im regierungsviertel.

 

Hin und wieder laufe ich ja die typischen Berliner Sehenswürdigkeiten ab. Regierungsviertel, Brandenburger Tor, Potsdamer Platz, Museumsinsel, Alexanderplatz, East Side Gallery, Oberbaumbrücke, Zoo, Kuhdamm und so. Schon ganz nett eigentlich.

Was mir so in den letzten Jahren auffiel: Früher gabs Familygeknipse, Gruppenbilder usw. vor jeder Sehenswürdigkeit. Heute gibts überall ein riesiges Geräkel. Also nun gut, vielleicht fällts mir auf, weil ich womöglich in einer hormonellen (Ver-) Stimmung bin, wobei, ich glaub es nicht, ich bin mir ziemlich sicher. Nein nein vor Instragram und Co gabs das noch nicht in diesem Ausmaße. Räkelräkel, Jacke aus, Brust raus, Haare nach links geworfen, Kopf nach rechts geschleudert, Catwalkjedöns usw. . Man hat das Gefühl, alle sind heute Influencer*innen und Models. Es muss sozusagen permanent gemodelt und geinfluenced werden. Die Stadt als 24/7-Laufsteg.

Nun, das Problem liegt vermutlich bei mir. Ich fotografiere lieber Pfützen, Ruinen, Straßenlaternen, Müll, Farben, Formen, Strukturen, Texturen; mich selbst finde ich wenig fotogen (trotzdem würde ich mich nicht als völlig unselbstbewusst bezeichnen) und andere will und kann ich beim Poporäkeln nicht fotografieren. 

Aber heute im Regierungsviertel. Da waren sie überall. Also ich konnte einfach keine typischen menschenleeren bis menschenfeindlichen Stadtaugestadtbilder machen. Ich wurde nun auch nicht rot, fühlte mich auch nicht belästigt und traumatisiert. Ich ließ die sich objektivizierenden subjekte gewähren und knipste mal mit und mal ohne instagraminfluencermodeltrallala und trallali.

Ein neues Genre der Fotografie werde ich damit nicht erfinden. Das gibts schon. Oder so ungefähr. Erst heute habe ich in der Oktoberausgabe der PHOTONEWS einen Buchtip gelesen

Mario Schneider “Tourist” (Mitteldeutscher Verlag)

Vielleicht sind Schneiders Bilder ja besser genießbar als meine. Das nächste Mal fahre ich dann auch wieder zum Fotografieren nach Marzahn-Hellersdorf. Da, wo das richtige Leben tobt… 😉

 

14 thoughts on “shooting im regierungsviertel.

  1. Yep,wir leben in der Zeit der Oberflächen. Die Welt besteht nur noch daraus, und auf den meisten kann man herumwischen 😉 Deshalb: Ab ins innere Exil und sich an stummer intellektueller Erhabenheit festhalten, was anderes hilft nicht!

  2. inneres exil und dann hin und wieder ein paar fotografische amokläufe… so stell ich mir das vor…
    alles wird ((hoffentlich) schon irgendwie) gut!
    lg daniel

  3. Habe so etwas mal am knacke-vollen Strand an der Algarve erlebt. Da knipste ein Typ sein Designer-Modell, die räkelte sich im flachen Wasser, während kleine Kids links und rechts mit Eimer und Schippe ne Matsch-Burg bauten ..

  4. Deine Beobachtung wäre passend zu der vielen Instagram-Fotografie, über die man liest. Also Schlangen vor bekannten Sehenswürdigkeiten, Schlangen, um sich dort via Selfie fotografieren zu können. Mir fällt das in Berlin auch auf. Aber ich weiß nicht, ob das vor zehn Jahren anders war.

  5. Es ist nicht (völlig) anders als früher. Sicherlich nimmt die durch Social Media beschleunigte Selbstdarstellung und -vermarktungsmaschine weiter zu (drum hammwa ja selbst nen Blog). Könnte man ja auch als so ne Art zunehmende demokratische Teilnahme und Inklusion innerhalb des System des Digitalkapitalismus es betrachten. Aber was schon ein wenig zugenommen hat ist das Gepoße und Geräkel und Gestrippe. Also Körperlichkeit und Darstellung im öffentlichen Raum. Früher wäre manches für viele zu prollig, zu plump, zu unalternativ gewesen. Aber vielleicht ist das Nachtrauern früherer alternativer Denk- und Lebensformen auch Quatsch. Naja so ist das mit dem Wandel. Der irgendwie gleich bleibt…
    Soweit mein Wort zum Sonntag oder äh Montag. Sofagrüße aus dem Weitlingkiez, LG Daniel

  6. Ich kann deine Fotopräferenzen vollkommen nachvollziehen, aber ich muß sagen, die Räkelnden (oder einfach diese Gestalten hier), bilden einen tollen Kontrast zu der brachialen Architektur. Die “organischen Formen” brechen die graphischen Strukturen. Manchmal ist ein bißchen Deko doch ganz passend 😉 LG Almuth

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