menschen, tiere und andere dinge…

new berlin V.

ostbhf10

spiegelung gesehen auf/ in/ an einer automotorhaube in berlin-friedrichshain…

© Daniel Schrödl

schönegrüße aus schöneweide.

© Daniel Schrödl

eigentlich…

… wollte ich einen längeren text darüber schreiben, wie lebensfeindlich, steril, monoton, unlebendig von menschen geschaffene umgebungen, landschaften, lebensräume oft sind. über stadtplaner und architekten, die das kleine urbane glück der normalen menschen ermorden.

seit jahren laufe ich immer wieder an diesem – aus meiner sicht abartig – wirkenden spielplatz dieser standardisiert/normierten endlich/eigenheimsbesitzer/sein/landschaften des rezenten immoblien- und spekulationskapitalismuses in der rummelsburger bucht vorbei.

wie kann man, wie soll man hier glücklich werden? frage ich mich als autofreier mensch, der gerne alte steine umdreht, im dreck wühlt und immer auf der suche nach irgendwelchen geschichten ist.

nun. dieser spielplatz. eigentlich eine optimale projektionsfläche meines hasses auf die gesellschaftlich-ökonomisch-technologische entwicklung der gegenwart…

…aber dann, aber dann…

…bekam ich kinder. mit denen muss ich bei wind und wetter rausgehen, damit mir die decke nicht auf den kopf fällt. diese kinder sind neugierig, klettern überall herum und lassen sich niemals von irgendwelchen vorgeschichten blenden. egal ob bei sonne oder regen.

jedesmal wenn ich auch nur annnäherungsweise im entferntesten, nur irgendwie in der nähe dieses spielplatzes bin, schreien meine kinder, dass sie unbedingt dort hinwollen, hinmüssen. dorthin in diese lebensfeindliche, sterile, monotone, unlebendige welt.

dann gehen wir wieder dorthin. und sie spielen und spielen, laufen, klettern genüsslich. lachen, singen, tanzen, als wäre es ein festplatz. und erfreuen sich des lebens. immer und immer wieder.

nun stehe ich da mit meinen bedenken, meinem in die jahre gekommenen welthass und fange meine kinder an der symmetrisch im raume platzierten rutsche wieder auf. immer und immer wieder.

© Daniel Schrödl

 

weiße bäume, blauer weg.

© Daniel Schrödl

punkte, linien, kreise.

© Daniel Schrödl

das letzte stück potsdam.

potsdam ist eine gewissermaßen jämmerliche stadt. für mein stadtauge die wohl uninteressanteste, “unfotogenste” stadt deutschlands (leider der ort meiner arbeitsstätte). seit der wende wird hier alles weggesprengt, -geräumt, -geputzt, was an DDR erinnert. eine neue clique zugezogener a-b-c-x-y-z-promis öffnet die geldschatulle und lässt in entsprechender politischer verwobenheit ein neokaiserlichpreußisches puppenstübchen errichten, eines das es vorher noch nie gab. steril reich und schön. ohne schmutz. alles sauber. alles kontrolliert, aber doch irgendwie weltoffen. perfekt zusammengestellt und inszeniert. der schwarzgrüne wind weht durch alle gassen.

ein sinnbild dieser identifikatorischen entkernung und pseudohistorisierenden metamorphose ist der abriss des fachhochschulgebäudes in der stadtmitte. dieser interessante ddr-bau störte einfach die investoren, euphorisierten neureichen wilhelmsfritzen und geschichtsverblendern bei der optimierung dieses geschäfts-, konsum- und freizeitumfeldes rund um das neue schloss. also weg damit, siehe https://stadtauge.wordpress.com/2018/06/14/potsdam-in-ruinen-oder-weg-mit-dem-architektur-historischen-vogelschiss .

was aber nun schon ein wenig pervers anmutet: fast alle potsdamer*innen vermissen dieses (mittlerweile verschwundene) gebäude irgendwie. diese details, diesen stil, diese identität (von internationalen architektur- und designexperten übrigens als meisterleistung klassifiziert).

so ging ich neulich in ein potsdamer restaurant. und das erste, was mir der küchenchef dort erzählte und vorzeigte, war ein nachgebildetes stück fassade der ehemaligen fachhochschule. es wäre so fancy und hipp und cool, das muss einfach in dieses alte preußische 18. jahrhundert-gebäude rein. beides zusammen ergebe den perfekten mix. genau das wollen die leute. da fühlen sie sich wohl.

vor ein paar tagen der nächste streich: ich war auf einer (durchaus empfehlenswerten) fotoausstellung in der fotogalerie potsdam (https://www.fotogalerie-potsdam.de/programm/). und da sah ich dies da an der wand (siehe bild): wieder ein (nachgebildetes) stück der zerstörten fassade der ehemaligen fachhochschule.

das letzte stück potsdam

ich fragte die umgebenden menschen dort, warum dies ding überhaupt da sei und ob es eine bedeutung hätte und gefällt oder nicht gefällt. da sagten mir alle (jugendliche zwischen 10 und 20), dass das doch von diesem alten gebäude sei, das ja nun leider weggesprengt wurde. aber diese form wäre wohl einfach genial.

nun habe ich ein wenig recherchiert. es ist wohl nun so, dass einige dieser sogenannten fassadensterne zwar abgebaut wurden, aber erhalten bleiben. die fachhochschule potsdam ist nun in besitz dieser reste und überlegt jetzt, diese woanders anzubringen (https://www.pnn.de/potsdam/fachhochschule-in-potsdam-neue-ideen-fuer-80-fassadensterne/22854300.html).

vermutlich wird es als beiläufige verzierung in einem der neu zu bauenden shopping center neben springbrünnchen, sitzgruppe, subwayfiliale, mobilem schmuckverkaufsstand und plastikbaum-arrangement bald wieder auftauchen.

so ist der lauf der dinge…

 

© Daniel Schrödl

 

 

mensch in sicht.

a_mensch in sicht

© Daniel Schrödl

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