gewisse architektonische restvariabilität.

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© Daniel Schrödl

busse in berlin sind gelb.

busse in berlin

© Daniel Schrödl

do you see picasso?

https://www.co-berlin.org/irving-penn-centennial-berlin

Das mit der C│O Berlin ist so eine Sache. Großbebrillte, bebärtete, beduttete, häufig englischsprechende Menschen mit Jutetasche (Aufschrift „it´s complicated“) und neuerdings eng anliegenden Leica-Kameras oder analogen Flohmarktkameras (Objektiv mit Festbrennweite) kommen aus der ganzen Welt hierher, um den Besuch einer international bedeutsamen Fotoausstellung zu zelebrieren.

Die C│O Berlin tut alles, um die passenden Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen. Das junge, oft durch eine einseitige Haarpracht ge(kenn)zeichnete, düster dunkel gekleidete, tätowierte Personal wirkt zunächst eher abwesend bis abweisend, so wie es sich für das Gardarobenpersonal Berliner Nachtklubs eben gehört, schafft es aber dann im zweiten oder dritten Anlauf zehn Euro zu kassieren.

 

Im Museumscafé – alles locker. Man bekommt manchmal das vorher Bestellte. Manchmal nicht, aber dafür ein schuldloses Lächeln. Die meisten knabbern Berliner Stulle mit Karottenrucolahokkaido-kürbissalatziegenfrischkäsericottarotebeetekartoffelziegenkäsebagel vegan mit original ostcharlottenburger Röstkaffee (natürlich schwarz), zupfen an Handy, Leica, C│O Berlin-Museumsmagazin und unterhalten sich über gewöhnliche Themen wie die nächste Flugbuchung Richtung New York, mal wieder (auch wenns langsam abgedroschen klingt) Thailand (es ist November; ich brauch einfach mal ne Auszeit) oder eben mal Burma oder Birma oder Myanmar oder wie man dazu sagt, die eigenen Projekte (temporäre Dinger, Kultur, Medien, selbst gedreht und geschnitten und vermarktet, mit Musikevent verbunden) und die Unfähigkeit des Mustage tragenden, programmierenden, meist Computerspiele zockenden, plattensammelnden Lebensabschnitts-gefährten, über Gefühle, das potenziell polygame Sexualverhalten oder die nächsten Schritte zur endlich eigenständigen Existenzsicherung zu sprechen. Gerne finden die Gespräche auch auf dem bewusst schlicht gehaltenen Metallmobiliar vor dem Hause mit Blick auf Baustelle, Berufsverkehr und Drogenszene sitzend statt.

 

Der C│O Berlin Bookshop hat es natürlich auch in sich. An der einen Seite werden die Großmeister der Schwarzweißstreetfotografie in Großformat gewälzt (viel zu teuer, höchstens ein stark reduzierter Ausstellungsband aus dem Jahr 2014 kommt in Frage), schräg daneben die Lehrbücher zur Fotografie zur Erfüllung des Bildungsauftrags, dahinter wilde, unabhängige, limitierte, unbekannte, unbedeutende neue, alte, (wieder) entdeckte Fotomagazine mit viel Fleisch, geschwollenen Genitalien, verquollenen Tattoos, Drogen- und Partyexzessen, Street Art, verwackelte Nachtaufnahmen, schlechte Fotoqualität, aber immer total authentisch. Für Nachwuchsfotografen gibt es natürlich auch noch Platz. Die kommenden Fotostars lassen ihre teils selbst gestalteten und signierten Druckwaren, meist mit ähnlichen Themen wie zuvor oben aufgezählt, schlicht präsentieren und verkaufen. Die angebotenen Postkarten im Ständer daneben mit Motiven wie den auf Holocaust-Denkmal-Stelen umherlaufenden Kindern und Tauben, Ostberliner Straßenszenen schwarzweiß Mitte der Achtziger (irgendwas mit Alexanderplatz oder Prenzlberg, in U-Bahn sitzend, Menschen in langer Schlange vor Fleischerei wartend) oder die architektonische Monotonie des Potsdamer Platzes ausdrückend fallen kaum auf.

 

Das Programm der C│O Berlin soll alles sein – nur nicht bescheiden und anspruchslos. Fotografie, das sind in der Regel die großen, amerikanischen Meister der 50er, 60er, 70er Jahre, New York New York New York und ein bisschen West Coast, Portraits von Hollywoodstars, Modemagazine, Vietnamkrieg, Sozialschwache in Nahaufnahme, Verfall der ÖPNV-Infrastrukturen; ggf. ein bisschen zeitgenössischen Fotojournalismus (die gute alte Frage: Was bewegen Fotos heute noch?) oder postsowjetischen Zerfall in Mittel- und Osteuropa (oder zumindest in der Hufelandstraße). Man geht die Sache streng deutsch logisch aufeinander aufbauend fotohistorisch an, anfangs völlig übertextet und dichtest bebildert, nun etwas dezenter und verständlicher erklärt. Ja die Macher sind gut vernetzt mit der amerikanischen Szene, man sitzt ja auch im Amerikahaus, das soll man auch sehen.

Ich nehme regelmäßig an dieser Inszenierung teil. Die C│O Berlin liegt auf meinem Arbeitsweg nach Potsdam. Da tauche ich regelmäßig in diese großartigen Fotoatmosphären ab. Ich blättere munter in den Fotobüchern umher (gibt’s was Neues, gibt’s irgendwas Spannendes?), kaufe aber in der Regel nix, weil ich mir nicht schon wieder was kaufen kann, schaue mir dann eine Ausstellung an, wobei mich dabei häufig mehr der Habitus der Besucher und des Personals faszinieren. Danach lasse ich bei 95 Dezibel Autolärm, einem fast saftigen Lemon Cheese Cake und einem Latte Macchiato mit braunem (!!!) Zucker und beim Durchblättern des aktuellen C│O Magazins (Was und wann ist die nächste Ausstellung?) auf den Eingangstreppen der C│O Berlin gemütlich den Tag ausklingen.

Hach, fast hätte ich es vergessen. Meist kaufe ich mir im C│O Berlin Bookshop die neue Ausgabe des brennpunkt (http://www.edition-dibue.de/content), ein absolut begeisterndes und empfehlenswertes, die große Bandbreite der aktuellen Fotografie abdeckendes Fotomagazin. Die Artikel darin über zeitgenössische oft weniger bekannte Fotografen und Ausstellungen an scheinbar unbedeutenden Ausstellungsorten (z.B. Fotogalerie Friedrichshain, Haus am Kleistpark, Schloss Biesdorf…) sind derart inspirierend, dass spätestens dann ein Besuch der C│O Berlin zum Genuss wird.

 

© Daniel Schrödl

lichtenberg spring.

lichtenberg spring

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stangen & schatten.

schatten3

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mit fenster.

beleuchtung

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wasserturm.

wasserturm

© Daniel Schrödl

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